Unter tiergestützter Förderung verstehen wir pädagogische und teilweise therapeutische Interventionen beim Menschen mit Hilfe von Tieren. Therapie findet hier nicht im rein medizinischen Sinn des Wortes statt, sondern vielmehr geht es darum durch wohlüberlegten Einsatz eines Tieres aufgrund seiner artspezifischen Möglichkeiten den Menschen bei seiner Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und zu unterstützen, ihm bei der Überwindung bzw. Kompensation vorhandener Schwächen, Störungen, Beeinträchtigungen zu helfen. Die Durchführung verlangt unseres Erachtens nach spezifisch qualifizierte Personen, die sowohl bezogen auf Menschen und deren Persönlichkeit und Lebenssituation als auch bezogen auf die Möglchkeiten und Bedürfnisse der eingesetzten Tiere Fachkompetenzen im Sinne von Fachwissen, Erfahrung und Handlungsfähigkeit besitzen.

 

Warum der Einsatz von Tieren?

Vielen Menschen fällt die Kontaktaufnahme und auch die Kommunikation mit Tieren leichter als mit Menschen, da Tiere keine kognitiven oder kulturellen Bewertungen vornehmen, keine Vorurteile haben oder Bedingungen stellen. Ihre analoge Art zu kommunizieren ist stets echt, ehrlich und rein situationsbezogen. Vor allem für Personen mit geringem Selbstwertgefühl sowie für Menschen mit Behinderungen kann diese Erfahrung außerst förderlich sein.
Tiere leben immer im Hier und Jetzt und bieten uns dadurch die Möglichkeit ebenfalls- zumindest eine kurze Zeit- nur in der Gegenwart zu leben und aktuelle Empfindungen auszuleben ohne sich Gedanken um Vergangenheit und Zukunft machen zu müssen. In der Gegenwart des Tieres kann der Mensch so sein wie er ist und seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Dadurch entwickeln sich Schritt für Schritt eine Beziehung und ein Vertrauensverhältnis. Ziel ist es dieses Vertrauensverhältnis in Form einer Brückenfunktion zu übertragen auf weitere pädagogisch angeleitete Interventionen.

 

Warum Kamele?

Altweltkamele leben in sozialen Herdenverbänden, die jedoch im Gegensatz zu Pferde- oder auch Lamaherden weniger hierarchisch angelegt sind. Sie sind meist weniger stabil und haben den Charakter einer Zweckgemeinschaft, in dem ein Kommen und Gehen gelassen akzeptiert wird. Dieses Verhalten übertragen die Kamele auf den Menschen und jeder der die Weide betritt wird von einem gut sozialisierten Kamel in der Regel freundlich begrüßt. Es nimmt Blickkontakt auf, streckt den Kopf Richtung Nase und pustet einem leicht ins Gesicht. Diese Annäherung ist im Vergleich mit vielen anderen Tieren sehr viel defensiver, langsam und nicht fordernd. Es ist nicht beleidigt wenn der Mensch auf das Angebot nicht eingeht und zurücktritt. So wie der Mensch in seiner jeweiligen Besonderheit ist, wird er vom Kamel akzeptiert. Antipathien existieren nicht. Eine Ausnahme bildet ein aggressives Verhalten seitens des Menschen. Dieser stößt dabei Adrenalin aus, was ein Kamel nicht kennt und stark irritiert. Die defensive Kontaktsuche ist besonders wirkungsvoll bei eher ängstlichen Menschen und bei Autisten. Das Kamel bewegt sich in der Regel langsam und wenig und hat dadurch einen geringen Muskeltonus was sich als Entspannung überträgt. Gleichzeitig sind Kamele aber auch fremde und äußerst große Tiere, so dass ein großer Zwiespalt auftritt. Dies bewirkt dass der Mensch offen und wach ist und momentane Befindlichkeiten wie z.B. schlechte Laune ebenso in den Hintergrund treten wie auch depressive Gemütszustände oder abwehrende Einstellungen. Man wird lernbereiter und aufnahmebereiter für Neues.

 

Mögliche Einwirkungsbereiche

Unsere Angebote finden immer im Freien (Weide, Wald, Wiese) statt. Die Begegnung mit den Tieren in der Natur fördert die Bewegungsfreudigkeit und die Bewegungskoordination ebenso wie Mimik, Gestik und Körpersprache im Bereich der Psychomotorik. Unter diesen Voraussetzungen gelingen die verschiedenen Interventionsansätze auffallend gut. Die Verbesserung von Wahrnehmung, Konzentration und Aufmerksamkeit kann im Zusammenhang mit dem Tier relativ stressfrei herbeigeführt werden.

Im Bereich "Kognition und Lernen" kann durch den wechselseitigen Prozess der nonverbalen und kritiklosen Abstimmung der tierischen Bedürfnissen mit den menschlichen zu einer Reduzierung sozialer Ängste und zur Entwicklung eines neuen Umgangs auch mit Menschen führen.

Inhaltliche Schwerpunkte bezogen auf soziale/emotionale Kompetenz können sein:
- Förderung von Selbstsicherheit und kooperativem Verhalten
- Erlernen einer angemessenen Selbsteinschätzung
- Reagieren auf einen Partner in der Interaktion
- Stärkung der Frustrationstoleranz
- Umgang mit und Abbau von Agressivität und Apathie
- Körpersprache schulen


Wir gestalten mit Ihnen gemeinsam individuelle Angebote mit verschiedenen inhaltlichen Aspekten.